Mesmer «Hansdampf zwischen den Kirchenbänken»

Veröffentlicht am: 28.04.22 | Keine Kommentare

 

Rückschau auf meine Kindheit, aufgewachsen im Pfarrhaus in einem Dorf… Direkt nebenan wohnte das Küsterehepaar.  Zuständig für das Rasenmähen, die Blumen in der Kirche, die Glocken anstellen und das Putzen, die Liednummern auf die Metallleisten stecken. Zu Erntedank die Kirche mit vielen Früchten und Gemüse schmücken.

Und dann – beng – ein Sprung aus den 80er Jahren ins Jahr 2022 in  den Alltag einer grösseren Kirchgemeinde in Deutschland, Österreich oder der Schweiz mit festangestelltem Mesmer oder Mesmerin. Mit Zusatzfunktion als  Facilitymanager und gutem Gespür bei Begegnungen zwischen Tür und Angel… für Menschen in besonderen Situationen.

Unglaublich, wie sich die Tätigkeiten von Mesmern in den letzten Jahren verändert haben.

Noch vor sechs, sieben Jahren bezog sich der Kontakt zwischen Pfarrperson und Sigristin grösstenteils darauf, ihr den Gottesdienstablauf mit den Liedern ausgedruckt in die Sakristei zu legen.

Inzwischen nehmen die Abläufe immer mehr die Form von kleinen Drehbüchern an. Mit Informationen, wer von den Beteiligten, wann wo steht, damit die richtigen Kameraeinstellungen angeklickt werden können.

Mit neuen Kommunikationsmitteln miteinander als Kirchgemeinde unterwegs zu sein.

Eine Riesenchance, aber auch störanfällig, wenn das Internet nicht funktioniert, ein Passwort nicht funktioniert. Dann klappt auf einmal die Übertragung der Trauerfeier aus der Kirche an Verwandte in Übersee nicht. Das stresst immer wieder mal. Andererseits, wenn dann alles funktioniert hat – eine Erfolgsstory.

Es ist so, wie es ist, wir können das Rad nicht zurückdrehen. Mir fällt dazu eine  Kollegin ein. Ich traf sie vor einigen Jahren bei einer Weiterbildung. Bis kurz vorher war sie Pfarrerin im ländlichen  Brandenburg – dort zuständig für mehrere Dörfer. Ohne Mesmer und Kirchenmusiker. Dafür immer unterwegs, im Gepäck einen Kassettenrekorder, Kerzen und Bibeln.  Eine völlig andere Welt.

Wichtig ist in beiden Welten – wo alles aufs technisch feinste optimiert ist, oder der Anlass einen eher «selbstgelismeten» Eindruck macht – entscheidend ist der Inhalt unserer Gottesdienste und dass sich die Leute angesprochen fühlen.

 

Geschrieben von Friederike Herbrechtsmeier


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