Vorbereitung auf Ostern 2021 im Kantonsspital St. Gallen

Veröffentlicht am: 01.04.21 | 2 Kommentare

Interview mit Maja Franziska Friedrich, Andrea Leupp und Henning Hüsemann, reformierte Pfarrpersonen, Spitalseelsorge im KSSG

Die Vorbereitung auf Ostern ist ja immer eine spezielle Zeit – wie erlebt ihr dieses besondere Ostern 2021 – zum zweiten Mal zur Zeit von COVID im Kantonsspital St. Gallen?

Ganz anders als letztes Jahr. Mitten im ersten Lockdown. Im Frühling 2020 war es eine Ausnahmezeit. Wir haben als „Kohorte“, die wir als Team gebildet haben, die Osternacht im ganz kleinen Kreis gefeiert. Wo von jetzt auf gleich vieles anders war. Aktuell, nach fünfmonatiger Unterbrechung, finden endlich wieder Gottesdienste mit Besucher*innen in der Kapelle des Kantonsspitals statt. Am vergangen Sonntag hat Maja Franziska Friedrich den ersten Gottesdienst gehalten. Mit reformierter Liturgie, zu dem alle eingeladen sind, unabhängig von ihrer Konfession.

Was hat sich im Vergleich zu vor einem Jahr verändert?

Eine Corona Taskforce wurde zu Beginn der Pandemie am KSSG eingesetzt. Es ist alles viel sorgfältiger aufgegleist und überzeugende Lösungen sind entwickelt worden. Sogar Abendmahl werden wir wieder mit einem Schutzkonzept feiern. Partient*innen, die die Angebote der Seelsorger*innen nutzen, tun dies noch bewusster als immer schon.

 

 Aktuell dürfen die Patient*innen ja nur in besonderen (Not-)Situationen von nahestehenden Menschen besucht werden. Was bedeutet das für die Spitalseelsorge?

Nach wie vor sind Besuche nur in grosszügig gehandhabten Ausnahmen erlaubt. Es hat sich aber gezeigt, dass gerade bei langen Aufenthalten direkte Begegnungen mit nahen Angehörigen oder Freunden eine stärkende Ressource sind.

Auf den Stationen entscheidet die Pflegeleitung, ob Besuch auch aus psychosozialen Gründen kommen darf oder nicht. Letztes Jahr waren die Regeln deutlich strenger.

Umso mehr sind wir dankbar, dass wir vom Seelsorge-Team immer die Möglichkeit hatten, die Patienten zu besuchen. Es gab in anderen Spitälern Fälle, wo dies die Seelsorgenden neu mit den Krisenstäben aushandeln mussten.

Was plant ihr konkret an Aktivitäten in den kommenden Tagen? Wie dürfen die Patient*innen und Mitarbeitenden mit euch Ostern feiern?

An Karfreitag gibt es einen katholischen Gottesdienst mit Krankenkommunion, es findet eine Osternacht ohne Patienten statt und am Ostersonntag gibt es einen reformierten Gottesdienst mit Abendmahl. Alles ist natürlich mit Schutzkonzept, Anmeldungen und begrenzter Platzanzahl.

Welche Realitäten erlebt ihr im Moment als besonders beschwerlich in dem Setting, in dem ihr unterwegs seid?

 Schwierig ist der Umgang mit frommen Corona – Leugnern. Im Sinne von „Jesus ist stärker als Corona!“. Die uns Seelsorger*innen mit Maske als zu wenig glaubensstark belächeln. Oder auch überängstliche Menschen. Wir haben alles mit Corona erlebt – vieles ist unberechenbar. Fitte 60jährige sind an COVID erkrankt und kurze Zeit später gestorben.Weit über 70jährige sind gesund aus dem Spital entlassen worden. Wir hatten viel mehr Verstorbene im Spital als früher. Nicht alle Stationen sind geübt, damit umzugehen. Eine Herausforderung ist auch die Planung der diesjährigen Lichtfeier Mitte November mit der deutlich höheren Anzahl an verstorbenen Personen, an die wir erinnern möchten.

Gibt es positive Erlebnisse oder Erfahrungen in dieser anderen Zeit, die vielleicht ohne die Pandemie so nicht geschehen wären?

Die ökumenische Seelsorge hat neu seit Ende März, Einsitz in der Task Force des Kantonsspitals. Das macht es einfacher, Dinge zu besprechen. Und wir sind als Seelsorgeteam geimpft. Das macht den Umgang mit den Patienten und ihren Familien wieder entspannter. Nahbarer. Es ist wieder möglich, Angehörigen unbefangener Nähe zu geben. Darüber sind wir dankbar.

Welchen Wunsch habt ihr für die weitere Arbeit?

Es hat sich deutlich gezeigt, dass der gemeinsame Gottesdienst in der Kapelle des Kantonsspitals eine wichtige Kraftquelle ist. Neben den vielen Seelsorgebesuchen in den Patientenzimmern. Aktuell ist der Begleitdienst am Sonntagmorgen zusammengeschrumpft (Das sind die Menschen, die Patient*innen im Bett oder im Rollstuhl von der Station zum Sonntagsgottesdienst in die Kapelle bringen). Es besteht grosser Bedarf, das inzwischen sehr kleine Team- in Form eines Freiwilligeneinsatzes dabei zu unterstützen. Wir würden uns sehr über Anrufe oder Emails von Personen freuen, die neu bereit wären, die Begleitgruppe zu verstärken.

 

 

Geschrieben von Friederike Herbrechtsmeier


2 Kommentare zu “Vorbereitung auf Ostern 2021 im Kantonsspital St. Gallen”

  1. Erika Haltiner sagt:

    Sind sich die Seelsorgerinnen bewusst, dass sie trotz Impfung Trägerinnen von Viren sein und diese verbreiten könnten? Die Wissenschaft hat diese Frage leider noch nicht geklärt, so dass auch Nähe der Geimpften ansteckend sein könnte. Fatal in einem Spital (und auch ausserhalb).

    1. Friederike Herbrechtsmeier sagt:

      Garantien gibt es wohl leider nicht. Weder bei Kontakten mit Patient*innen noch sonst im Alltag während dieser Pandemie.
      Ich selbst habe erlebt, wie hilfreich Besuche vom ökumenischen Seelsorgeteam waren, als ich im Januar 2021 wegen eines gebrochenen Handgelenks zwei Nächte im KSSG bleiben musste und operiert wurde.
      Und gut auch, dass es neu Schnelltests gibt.
      Eine weitere Möglichkeit – neben der Impfung mehr Sicherheit zu haben, dass man COVID-negativ ist.

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